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Bundestagsabgeordneter Dietmar Nietan stellt sich unseren Fragen!

Geschrieben von Team am 20. März 2017 in Allgemein, Gefragt, Politisches |

Im Rahmen unserer politischen Aktivitäten haben wir auch den Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan zum Interview eingeladen. Dies sind seine Antworten zu unseren Fragen.

1) Wie lange sind Sie schon politisch aktiv?

Zur Politik bin ich durch meine Arbeit in der Schülervertretung gekommen. Ich war viele Jahre Klassensprecher und von 1980 bis 1982 Schülersprecher des Burgau-Gymnasiums. Dabei habe ich gemerkt, dass man die Dinge nur zum besseren verändern kann, wenn man dafür gesellschaftliche Mehrheiten organisiert. Und so bin ich 1981 mit 16 Jahren in die SPD eingetreten. Dort habe ich zunächst bei den Jusos, der Jugendorganisation der SPD, mitgemacht. Seit 1984 war ich dann in der Kommunalpolitik in der Stadt und im Kreis Düren aktiv.

2) Wie kamen Sie zur Politik?

Das erste Mal politisch engagiert habe ich mich am Burgau-Gymnasium. Da ging es darum, ein neues Volleyball-Netz im Freien für die Pausen zu bekommen. Zunächst habe ich andere Schüler gesucht, die mich dabei unterstützen wollten und dann sind wir mit unserem Anliegen zur Schulleitung gegangen. Offenbar waren wir überzeugend. Wir haben ein neues Volleyball-Netz bekommen. Später habe ich dann mit 16 Jahren den Weg in die SPD gefunden. Überzeugt hat mich vor allem die über 150jährige Geschichte der SPD. Ich bekomme heute immer noch eine Gänsehaut, wenn ich an die Rede von Otto Wels 1933 vor dem Reichstag denke, als die SPD als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz von Hitler gestimmt hat.

 

3) Wie gestaltet sich Ihr Alltag als Bundestagsabgeordneter, das heißt, wie sieht der Ablauf einer typischen Woche für Sie aus?

Das hängt davon ab, ob es eine Sitzungswoche des Bundestages in Berlin ist oder eine Wahlkreiswoche im Kreis Düren. Eine Wahlkreiswoche ist eine Woche, in der in Berlin kein Bundestag zusammentritt und ich in meinem Wahlkreis im Kreis Düren arbeiten kann.

In beiden Fällen bin ich in der Regel montags und dienstags in Berlin. Zu Wochenbeginn tagt der SPD-Vorstand im Willy-Brandt-Haus, dem ich als Schatzmeister angehöre. Am Dienstag habe ich ebenfalls noch viele Termine als Schatzmeister. Sollte die Woche eine Sitzungswoche des Bundestages sein, findet am Dienstag zum Beispiel auch die Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion statt, an der ich als Bundestagsabgeordneter teilnehme. Die Woche ist dann voll mit Termine, Gesprächen, Telefonaten oder Sitzungen, an der ich als Schatzmeister oder als Bundestagsabgeordneter teilnehme oder die ich führe. Die Tage sind lang und dauern in der Regel von den ersten Terminen oder Telefonaten um 08:00 Uhr bis zum Ende der letzten Sitzung gegen 22:00 Uhr. Daneben und zwischendurch muss auch noch viel Büroarbeit erledigt werden, wie Briefe und Emails beantworten oder mich auf die anstehenden Gespräche vorbereiten. Eine Sitzungswoche in Berlin endet meist am Freitagmittag. Dann fliege ich nach Düren. Allerdings sind meine Wochenenden sehr kurz. In Düren angekommen, erwarten mich am Freitag und am Samstag ebenfalls Besprechungen oder Termine. Als Bundestagsabgeordneter erhalte ich viele Anfragen von Bürgern, die besprochen werden müssen, oder ich bekomme zahlreiche Einladungen zu Veranstaltungen von Gewerkschaften, Vereine oder Karnevalsgesellschaften u.a. Oft gib es auch Termine am Sonntag. Hier versuche ich mir aber Freiräume zu schaffen, damit ich mich ein wenig erholen kann und mit meiner Frau und meinen beiden großen Kindern etwas unternehmen kann. Der Verlauf einer Wahlkreiswoche sieht anders aus. Hier komme ich direkt mit den Leuten aus Düren ins Gespräch, zum Beispiel in meiner Bürgersprechstunde, auf dem Wochenmarkt oder auf den vielen Veranstaltungen. Aber auch in Düren sind meine Tage voll mit Besprechungen, Gesprächen und Telefonaten.

 

4) Haben Sie noch andere Interessen neben der Politik?/ Wie sieht Ihre Freizeitgestaltung aus?

Wenn mir meine Arbeit etwas Zeit lässt, wandere ich zum Beispiel in der Eifel oder in den Rur-Auen. Das verbinde ich gerne auch mit einem anderen Hobby von mir, der Naturfotografie. Zum Entspannen höre ich gerne klassische Musik.

 

5) Wann und wie machen Sie Urlaub? 

Mit meiner Familie lasse ich mir gerne den Wind an der niederländischen Nordseeküste um die Nase wehen.

 

6) Haben Sie bei Ihrer Aufgabe als Bundestagsabgeordneter auch persönlichen Kontakt zu Frau Merkel?

Persönlichen Kontakt habe ich zu Bundeskanzlerin Merkel nicht. Wir sehen uns zwar bei manchen Debatten im Bundestag, da ich aber kein Regierungsmitglied bin, kennen wir uns nicht näher. Ganz anders ist das mit dem SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz. Wir kennen uns durch unsere politische Arbeit in der Regio Aachen seit über 20 Jahren gut. Ich habe von 2005 bis 2009 auch einige Jahre für Martin Schulz gearbeitet. Nun sind wir wieder in Berlin eng miteinander verbunden. Ich bin Schatzmeister der SPD, Martin Schulz wird bald offiziell Vorsitzender und Kanzlerkandidat der SPD sein. Wir besprechen uns in Berlin jede Woche, wie wir den Bundestagswahlkampf organisieren und wie die SPD am besten ihr Thema „soziale Gerechtigkeit“ in den Mittelpunkt stellen kann. Ich hoffe natürlich, dass Martin Schulz mit der SPD die Wahlen im September gewinnt und er zum neuen Bundeskanzler gewählt wird.

 

7) Was gehört zu Ihren Aufgaben?  

Als Bundestagsabgeordneter arbeite ich für die SPD-Bundestagsfraktion im Europa-Ausschuss und im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages mit. Dort bin ich für die gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik der Europäischen Union zuständig. Polen, die Ukraine, Belgien, die Niederlande, Luxemburg, Slowenien, Montenegro, Serbien, Bosnien-Herzegowina, das Kosovo, Albanien, Kroatien, Mazedonien, die Türkei und die USA sind die Länder, mit denen ich mich dabei in besonderer Weise beschäftige.

Wie oben schon mal geschrieben, bin ich auch der Schatzmeister der SPD. Als solcher bin ich zuständig, wofür die Mitgliedsbeiträge der SPD-Mitglieder und die Spenden an die SPD ausgegeben werden. Hierfür mache ich dem SPD-Vorstand in Berlin einen Vorschlag, der darüber abstimmen muss. Auch besitzt die SPD aus ihrer Geschichte als Arbeiter-Partei heraus verschiedene Unternehmens-Beteiligungen zum Beispiel an Zeitungen und Druckereien. Im 19. und 20. Jahrhundert haben sich viele Arbeiter und SPD-Mitglieder zu Bildungsvereinen zusammengeschlossen. Den Menschen war damals klar: Wer für eine bessere Welt mit Arbeitnehmer- und Menschenrechten kämpfen will, braucht Wissen und Bildung. Damals sind viele Zeitungen und Druckereien gegründet worden, die noch heute teilweise der SPD gehören. Eine weitere schöne Aufgabe meines Amtes als Schatzmeister ist es, die Geschichte der SPD lebendig zu halten und die Erinnerung an historische Stätten, an denen sich wichtige Ereignisse der SPD zugtragen haben, zu erhalten und zu fördern.

8) Welche sind aktuelle Projekte, mit denen Sie sich zurzeit befassen?

Als Schatzmeister der SPD habe ich natürlich derzeit alle Hände voll damit zu tun, den Bundestagswahlkampf gemeinsam mit anderen in der SPD-Parteizentrale zu organisieren. Als Bundestagsabgeordneter liegt mir die Außenpolitik sehr am Herzen. Insbesondere bemühe ich mich, durch viele Gespräche in und mit Polen das gegenseitige Verständnis zu verbessern.

In meinem Wahlkreis kümmere ich mich intensiv um die Zukunft der Arbeitsplätze in unserer Region. Auf meine Initiative hin haben SPD und Grüne in das Arbeitsprogramm unserer NRW Landesregierung das Programm „Innovationsregion Rheinisches Revier“ aufgenommen, mit dem wir neue Arbeitsplätze – auch im Kreis Düren – für die Zeit nach der Braunkohlenutzung schaffen wollen. Darüber hinaus habe ich gerade mitgeholfen, dass wir im Kreis Düren bei Jülich ein neues modernes Gewerbegebiet für den Bereich „Erneuerbare Energien“ auf den Weg bringen.

 

9) Sie sind ja auch in Ihrem Wahlkreis in Düren aktiv. Was liegt Ihnen hier besonders am Herzen?

Mir liegen die Menschen im Kreis Düren besonders am Herzen. Mein Leitspruch oder Slogan lautet von Anbeginn meiner Tätigkeit als Bundestagsabgeordneter „Für die Menschen im Kreis Düren“. Mein Ziel ist es, dass ich den Menschen im Kreis Düren helfen kann und dass es ihnen durch meine Arbeit etwas besser gehen wird. Viele Menschen berichten mir über ihre alltäglichen Sorgen mit der Kranken- oder Rentenversicherung, am Arbeitsplatz oder über Probleme mit Papieren für das Ausländeramt. Wo ich kann, versuche ich zu helfen.

Ich möchte aber auch vorbeugend helfen. Viele Menschen arbeiten heute in unserer Region noch mit und von der Braunkohle in den Tagebauen und in den Kraftwerken. Es ist absehbar, dass diese Arbeitsplätze mit dem Auskohlen der Tagebaue in den nächsten Jahrzehnten allmählich wegfallen. Es ist mir deshalb ein Herzensanliegen, schon jetzt dafür zu sorgen, dass neue Arbeitsplätze entstehen. Ich kümmere mich deshalb um den so genannten Strukturwandel, in dem ich zum Beispiel die Schaffung neuer Gewerbe- und Industriegebiete unterstütze. Wenn gegen Mitte des Jahrhunderts die letzte Kohle aus den Tagebauen geholt wird, möchte ich, dass im Kreis Düren genügend andere Arbeitsplätze entstanden sind, damit Familien in Düren weiterhin gut und gerne leben können.

10) Das Interesse von Jugendlichen an Politik hält sich ja ziemlich in Grenzen. Wie könnte man Ihrer Meinung nach Jugendliche wieder mehr für Politik begeistern?

Aus meiner Sicht gibt es hierfür kein Patentrezept. Ich besuche gerne Schulklassen und erzähle über meine Arbeit als Bundestagsabgeordneter. Dabei werbe ich immer dafür, selber aktiv zu werden und politisch mitzumischen. Unsere Demokratie lebt davon, dass sich viele einbringen. Mein Eindruck ist, dass durch Brexit, Trump und die Rechtspopulisten in Deutschland das Interesse an Politik auch bei jungen Leuten wieder steigt. Sie merken, dass vieles, was wir bisher für selbstverständlich in Europa wahrgenommen haben, zum Beispiel offene Grenzen oder Studieren in der EU von Nationalisten in Frage gestellt wird. Nach dem Bekanntwerden, dass Martin Schulz Kanzlerkandidat der SPD wird, sind einige Tausend Menschen neu in die SPD eingetreten, darunter viele junge Leute. Statt nur zu meckern und sich von anderen sagen zu lassen, was gemacht werden soll, wollen sie selber aktiv werden und sich für unsere Demokratie und für ein gemeinsames Europa einsetzen. Das finde ich toll.

 

11) Gibt es in Deutschland etwas, was Ihnen missfällt und was Sie gerne ändern würden?

Besonders missfällt mir, dass es in Deutschland nicht sozial gerecht zugeht. Auf der einen Seite gibt es großen Wohlstand und viel Reichtum, auf der anderen Seite Menschen, die von ihrer Arbeit kaum leben können und viele Kinder und Jugendliche, die in Armut aufwachsen. Das möchte ich gerne ändern. Die SPD kämpft zum Beispiel dafür, dass die Bildungschancen für Kinder und junge Menschen unabhängig vom Geldbeutel der Eltern sein müssen.  Wir fordern, dass Bildung von der Kita bis zum Studium gebührenfrei sein soll. Ich möchte, dass Eltern auskömmlich verdienen, damit sie für ihre Kinder nicht jeden Cent umdrehen müssen. Mit der Einführung des Mindestlohns haben wir einen Schritt in diese Richtung gemacht. Es muss aber noch mehr geschehen, damit es in Deutschland wieder sozial gerecht zugeht. Alle Menschen müssen die gleichen Chancen bekommen, etwas aus ihrem Leben machen zu können und zwar unabhängig davon, aus welchen sozialen und familiären Verhältnissen sie kommen. Egal, ob ihre Eltern reich oder arm sind, ob sie gebildet sind oder nicht.

Diese Chancen-Gerechtigkeit zu schaffen, ist mein Antrieb, warum ich Politik mache.

 

Wir bedanken uns bei Herrn Nietan für das nette Interview!

Ein Kommentar

  • Dietmar Nietan sagt:

    Liebes Team vom Schülerzeitungsblog des Burgau!
    Ich möchte mich noch einmal für das sehr spannende Gespräch mit Euch bedanken. Es hat mir wirklich Freude gemacht!
    Ihr habt gute Fragen gestellt. Ich finde es gut, dass Ihr Euch mit Eurem Schülerzeitungsblog für Eure Mitschülerinnen und Mitschüler engagiert!
    Herzliche Grüße!
    Euer Dietmar Nietan

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