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Besuch am Burgau: Dürener Bündnis gegen Rechts erklärt Strategie der Rechtspopulisten

Geschrieben von Louis Ulrich am 26. April 2017 in Aktuelles, Allgemein, Politisches, Veranstaltungen |

Kurz vor den Osterferien haben Mitglieder des Dürener Bündnisses gegen Rechts (BgR) dem SoWi-Kurs von Herrn Gülden in der EP einen Besuch abgestattet und den Schülerinnen und Schülern von der Strategie der Rechtspopulisten berichtet. Zudem wurden Fähigkeiten vermittelt, wie es möglich ist, Wahlplakate parteiunabhängig zu analysieren.

Herr Derichs, Sprecher des BgR, eröffnete die Schulstunde mit einer allgemeinen Einleitung. Er erklärte, was das BgR ist, was das Problem mit Rechtspopulisten ist und wie sie sich verhalten. Auffällig sei, dass Rechtspopulisten der Gewalt nicht abgeneigt seien, sondern auch des Öfteren pöbeln.

Danach übergab Derichs das Wort an Herrn Schlubach, er beschäftigt sich beruflich mit der Kommunikation. Eingeteilt wurde der folgende Teil, welcher in etwa 80 Minuten dauerte, in drei Phasen. In der ersten Phase gab es einen Vortrag, in der zweiten durften die SchülerInnen in fünfer Gruppen Wahlplakate analysieren und im letzten Teil wurden die Ergebnisse präsentiert.

Der Vortrag von Herrn Schlubach beschäftigte sich mit der allgemeinen Strategie der Rechtspopulisten sowie mit der Rhetorik, die verwendet wird, um Wahlplakate zu erstellen. Im ersten Teil wurden Thesen genannt, die quasi die “drei Säulen des Rechtspopulismus” bilden.

Die erste These ist, dass Gegensätze wichtig sind, um erfolgreichen Populismus durchzuführen. Sie basieren häufig auf moralischen Werten, die stark vereinfacht und ausschließlich in positiv und negativ eingeteilt werden. Ein häufig benutztes Mittel dafür ist zum Beispiel das Pauschalisieren von Bevölkerungsgruppen (als Beispiel: “Alle Burgau-Schüler sind dumm.” Das wäre in diesem Fall natürlich falsch Zwinkerndes Smiley). Ein weiteres Mittel ist das Heraufbeschwören von Krisen. So prophezeite die Alternative für Deutschland (AfD) zum Beispiel im Oktober 2016 mehrfach, dass ein dritter Weltkrieg in den nächsten Monaten ausbrechen wird. Um dies zu begründen zeigte Herr Schlubach mehrere Zitate und Posts der AfD.

Die zweite These ist die Angst. Die Angst sorgt in Verbindung mit selektiver Wahrnehmung dafür, dass Menschen Feindbilder erstellen. Vereinfacht heißt das, wenn ich nur sehe, was ich sehen will (z.B. Ausländerkriminalität) und mir dann Angst gemacht wird (“Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg!”), erstelle ich ein Feindbild gegen den Ausländer.

Die dritte These ist Tatsache, dass die AfD sich als “Anwälte” des “Volkes” versteht. Dafür unterstellt sie dem “Volk” pauschal alle Werte (z.B. “Alle Deutschen sind pünktlich”) und ignoriert die Meinungen von Andersdenkenden bzw. ordnet diese als Lüge ein. Häufigstes Opfer: Die Presse.

Im zweiten Teil des Vortrags ging es um die Rhetorik. Die AfD versucht gezielt zu provozieren und somit Aufmerksamkeit zu erregen. Andere Politiker der AfD verharmlosen dann diese Provokation (“Das kam anders herüber, als es war” oder “Da hat man ihn falsch verstanden”), es folgt jedoch keine Maßnahme. Das AfD-Mitglied wird weder gerügt, noch anders bestraft. Viele von uns werden sich an den Aufreger um das Zitat über Jerome Boateng erinnern, indem ein AfD-Vorstandsmitglied behauptete, dass man Jerome als Fußballspieler gut finde, jedoch nicht als Nachbarn haben möchte, daraufhin gab es viele Gegenaktionen. In diesem Fall war es Frauke Petry, die das Zitat von ihrem Kollegen Gauland abschwächte. Gauland wurde dafür nicht bestraft.

Die nachfolgenden Erklärungen über die Rhetorik in den Wahlplakaten betrifft nicht nur rechtspopulistische Parteien wie die AfD, sondern auch etablierte Parteien wie z.B. die CDU oder die SPD. Zunächst verwenden Parteien oft kurze Sätze, wie zum Beispiel “weil jeder zählt”, die oft einen großen Interpretationsspielraum haben. Auch in diesen Satz lassen sich zahlreiche Bedeutungen hinein interpretieren “Weil jeder Jugendliche zählt”, “weil jeder Beamte zählt” und so weiter, auch wenn das jetzt ziemlich unwahrscheinlich erscheint, nimmt unser Unterbewusstsein dies war – ohne, dass wir es merken. Eine populistische Methode auf Wahlplakaten ist es, dass häufig konfliktbezogenen Verben (z.B. ruinieren, kritisieren…), intensivierende Wörter (z.B. völlig, absolut, extrem…), Skandalwörter (z.B. katastrophal…), negative Adjektive (z.B. bedrohlich…) oder Distanzierungen verwendet werden. Als Distanzierung bezeichnen wir in diesem Fall, Ausdrücke wie zum Beispiel >Die “Wissenschaftler” haben….>, in denen man mithilfe der Anführungszeichen von diesem Ausdruck distanziert, und ausdrückt, “Für mich sind diese Wissenschaftler keine Wissenschaftler”.

Zur Kommunikation in den Wahlplakaten erklärte Herr Schlubach, dass unser Unterbewusstsein Farbe, Form und Flächen auf Wahlplakaten besonders wahrnimmt und mit der Partei positiv oder negativ verbindet. Anhand eines Wahlplakates von B’90/ Die Grünen (siehe Foto) erklärte er praktisch, woran das zu erkennen sei. Die Farbe ist in diesem Fall durch den Namen schon vorgegeben: grün. Aber unser Unterbewusstsein unterscheidet “grün”. Wenn es ein helles Grün ist, verbinden wir es mit Lebendigkeit, ist es eher dunkel (ein hervorragendes Beispiel sind unsere Schultafeln!) wirkt es auf uns langweilend. Kontraste sind extrem wichtig, denn Kontraste fallen besonders auf. Auf diesem Wahlplakat ist das pinke Fähnchen besonders markant, denn es hebt sich vor dem grünen Hintergrund hervor. Formen, Linien, Richtungen, Perspektiven und Positionen wirken besonders auf uns ein. Eine “gerade” Linie signalisiert zum Beispiel Stabilität, die selbe Wirkung haben Serifen an Buchstaben (s. Wahlplakat). Zeigt eine Linie oder ein Pfeil nach oben, signalisiert dies Verbesserung. Ebenfalls ein Eye-Catcher ist die Symbolik. Logos zum Beispiel springen schnell ins Auge und enthalten eine Botschaft. Bei den Grünen sieht man eine Sonnenblume, die wiederum Umweltfreundlichkeit symbolisiert und diese verknüpfen wir mit den Grünen, denn wie der Name sagt, ist Umweltschutz bei diesen Programm. Auch Symbole wie die Schilder bei den Personen auf dem Wahlplakat enthalten Botschaften, die wir mit den Grünen verbinden, wie z.B. links das “Atomkraft – nein, danke!” Logo. Mit diesem Thema beendete Herr Schlubach seinen Vortrag.

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Damit war die nächste Phase der Stunde eingeläutet, die Gruppenarbeit. In fünfer Gruppen wurden Wahlplakate und Texte analysiert. Jede Gruppe bekam unterschiedliche Aufgaben, während die eine Gruppe z.B. an einem Wahlplakat von der CDU und einem der AfD arbeitete, arbeitete eine andere Gruppe an zwei SPD-Plakaten. Zunächst wurde es sehr ruhig im Raum, denn alle waren mit dem Aufschreiben der ersten Gedanken beschäftigt. Nach ein paar Minuten fingen die Gruppen mit dem Austausch der erlangten Informationen an, dabei entstanden auch rege Diskussionen. Bei den Wahlplakaten gab es eine deutlich mehr Diskussion als bei den Texten, denn diese lassen häufig einen wesentlich geringeren Deutungsspielraum zu.

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Zwei Beispiel-Aufgaben.

In einer gelassenen Arbeitsatmosphäre wurden alle Gruppen ziemlich schnell fertig und konnten die Ergebnisse präsentieren. Dazu wurde das Plakat/ der Text präsentiert, beschrieben und gedeutet. Die Gruppen beschrieben die Wirkung des Plakates sehr genau. Sehr deutlich wurde dies an dem AfD-Plakat, welches auf dem Foto oben rechts zu finden ist. Hier wird die EU durch das Bild von Kim Jong-un, dem nordkoreanischen Diktator, einer Diktatur gleichgesetzt. Auch sehr spontan fallen einem hier mögliche Wirkungen ein. Herr Schlubach stellte den Gruppen-Sprechern zudem Nachfragen, wenn dem Kurs gewisse Deutungen unklar waren. Zudem erklärte er im Nachgang noch weitere Einzelheiten zu den Plakaten, die nicht unbedingt aufgefallen waren, jedoch eine große Wirkung haben. Auf einem Plakat der CDU wurde eine kursive Schrift benutzt. Wie kann man das deuten? Richtig, die Linien der Schrift zeigen dann bei einer kursiven Schrift nach oben rechts. Und wie wir gelernt haben, symbolisieren Linien nach oben rechts Verbesserungen. In jedem dieser Plakate stecken erstaunlich viele Einzelheiten, die einem auf dem ersten Blick überhaupt nicht auffallen.

Zusammenfassend kann man sagen, dass alle Schülerinnen und Schüler durch diesem Besuch viel gelernt haben und nun wahrscheinlich demnächst einen etwas anderen Blick auf die Wahlplakate werfen.

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